Ein Fahndungsaufruf der Münchner Polizei – nach sechs Monaten?!

2012-07-13T13:24:49+00:0013. Juli 2012|

STADTRATSANFRAGE, 13. Juli 2012

Unter der laufenden Nummer 1243 nimmt der Pressebericht der Münchner Polizei vom 11.07. Bezug auf einen Fall von gefährlicher Körperverletzung, der sich vor mehr als sechs Monaten zugetragen hat. Wörtlich heißt es im Polizeibericht:

„Am Dienstag, 03.01.2012, gegen 22.30 Uhr, wurde ein 19-jähriger Münchner am Karlsplatz, in einem Fastfood-Restaurant von einem afrikanischstämmigen Unbekannten angesprochen. Der Unbekannte sagte zu dem 19-Jährigen, dass er sich nicht vordrängeln solle. In der Folge kam es zur verbalen Auseinandersetzung, bei der der Unbekannte zum 19-Jährigen ‚Du Fuck-Nazi, bzw. du Scheiß-Nazi, wir sehen uns an der Tür wieder’, sagte.

Anschließend bestellte der 19-Jährige sein Essen und wurde auf dem Weg ins erste Obergeschoss wiederum von dem Unbekannten abgepasst. Dabei wurde er aus dem Restaurant gezogen und von außen gegen die Eingangstür gestoßen. Die Scheibe der Eingangstür wies von dem Aufprall Sprünge auf. Anschließend wurde er von mindestens drei Unbekannten am Boden liegend getreten. Ein 20-jähriger Zeuge versuchte dem Geschädigten zu helfen und wurde dabei von den Unbekannten geschlagen und getreten. Danach flüchteten die drei Männer in das Stachus Untergeschoss und weiter in Richtung Prielmeyerstraße.

Es wurde vom Amtsgericht München nun ein Beschluss zur öffentlichen Fahndung erlassen.“ (https://www.polizei-muenchen.de/muenchen/news/presse/aktuell/index.html/160163; Hervorhebung durch den Fragesteller; Kommasetzung und Rechtschreibung im Original; KR).

Daß der Fahndungsaufruf der Polizei unter Freigabe von Bildmaterial der Überwachungskamera erst über ein halbes Jahr nach dem Vorfall (und offenbar erfolglosen Ermittlungen) erfolgt, erweckt geradezu den Anschein eines Täterschutzprogramms.

Es stellen sich Fragen (die zwar in den Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München fallen, zu deren Beantwortung das KVR aber unschwer eine Stellungnahme des Polizeipräsidiums einholen kann).

Ich frage den Oberbürgermeister:

1. Inwieweit ist es bei der Münchner Polizei üblich, daß eine Fahndung nach flüchtigen Tatverdächtigen erst Monate nach der Tat ausgeschrieben wird? In wie vielen Fällen war dies in den letzten zwölf Monaten der Fall (Stichdatum: 01.07.2012)?

2. Inwieweit hat die lange Frist zwischen Tat und Ausschreibung der Fahndung womöglich damit zu tun, daß es sich bei den flüchtigen „Unbekannten“ ausweislich des Polizeiberichts und des freigegebenen Bildmaterials offenkundig um Mitbürger mit „Migrationshintergrund“ handelt (vgl. Bildunterschrift der Polizei: „ein dunkelhäutiger Täter rechts im Bild in Richtung der Treppe“), deren Strafverfolgung besondere Sensibilität erfordert?

Unterschrift_KR
Karl Richter
Stadtrat

Link zum RatsInformationsSystem der Stadt München (neues Fenster):
http://www.ris-muenchen.de/RII2/RII/ris_antrag_detail.jsp?risid=2708310