Münchner Stadträte brauchen keine Fußball-Freikarten!

2011-09-10T11:51:17+00:002. November 2010|

BIA fordert Abschaffung eines überflüssigen und teuren Politiker-Privilegs

 

Das Thema sorgt seit Jahren für Unmut, und erst am letzten Freitag rief es die Lokalzeitung „tz“ wieder in Erinnerung: die Rede ist von 56 Dauer-Freikarten der gehobenen Kategorie in der Münchner Allianz-Arena, die der Stadt München aus dem geltenden Erbbaurechtsvertrag zustehen und die routinemäßig von 79 der 80 Münchner Stadträte in Anspruch genommen werden – gratis natürlich. Das sorgt für Mißstimmung und bestätigt auf ungute Weise den verbreiteten Eindruck, Politiker pflegten eine „Selbstbedienungsmentalität“ – zumal die Münchner Fußball-Freikarten mit einem rechnerischen Wert von immerhin rund 2,3 Millionen Euro nicht nur von den Stadträten selbst, sondern auch von Partnern und Freunden in Anspruch genommen werden können – natürlich ebenfalls umsonst.

BIA-Stadtrat Karl Richter hat für solche Politiker-Privilegien kein Verständnis. Er reichte deshalb heute einen Antrag in den Geschäftsgang des Münchner Rathauses ein, in dem er kurzerhand die Streichung der Gratis-Fußballkarten für die Münchner Stadtvertreter fordert. Richter regt stattdessen an, die Karten künftig spielweise unter Münchner Sozialhilfeempfängern zu verlosen – dies wäre „ein schönes Zeichen gelebter Politiker-Solidarität“, heißt es in Antrags-Begründung. Und weiter: „Den Münchner ´Volksvertretern´ fällt dadurch kein Zacken aus der Krone. Wer es unbedingt nobel möchte, kann sich selbstverständlich auch weiterhin um Plätze der schicken Kategorie 1 oder ´Business Seats´ bemühen – aber auf eigene Kasse.“

Das derzeitige Fußballkarten-Privileg der Münchner Stadträte umfaßt über die Platzkarten hinaus auch noch 23 Pkw-Parkplätze in unmittelbarer Nähe der Allianz-Arena, was die „tz“ am Freitag zu der Mutmaßung veranlaßt hatte, als sollten „sich die Volksvertreter nicht mit dem Volk in die U-Bahn drängen müssen“.

BIA-Stadtrat Richter argumentiert in seiner Antragsbegründung: „Es wäre nur recht und billig, daß jene 79 Münchner ´Volksvertreter´, die bislang in den Genuß der Dauer-Gratiskarten kommen, von sich aus auf die Wahrnehmung des fragwürdigen Privilegs verzichteten. Weil es mit der Freiwilligkeit aber meist nicht weit her ist, wo Politiker auf Privilegien verzichten sollen, ist ein bindender Stadtratsbeschluß der ´sauberere´ Weg.“ Der Ball ist jetzt in der Hälfte der Münchner „Volksvertreter“, mit einer Stellungnahme des Rathauses ist in den nächsten Wochen zu rechnen.