Sind 79 Münchner Stadträte Antisemiten?

2014-10-09T20:15:12+00:009. Oktober 2014|

Das ist neu: BIA und Charlotte Knobloch gemeinsam gegen „Stolpersteine“

Auf der Tagesordnung der letzten Vollversammlung des Münchner Stadtrats in der vergangenen Woche stand nicht nur das Bürgerbegehren über ein künftiges Islamzentrum in der bayerischen Landeshauptstadt, sondern – neben anderem – auch ein eher randständiges Thema: die sogenannten „Stolpersteine“. Dabei geht es um kleine Erinnerungs-Pflastersteine mit einer Messing-Inschrift, die der außerordentlich geschäftstüchtige „Künstler“ Gunter Demnig seit Jahren zum Stückpreis zwischen 95 und 120 Euro herstellt und zum Gedächtnis an frühere NS-Opfer, in den meisten Fällen Juden, auf öffentlichen Gehwegen verlegt. Rund 45.000 dieser „Stolpersteine“ wurden inzwischen in ganz Europa ausgebracht.

Die gleichgeschaltete Allparteien-Mehrheit im Münchner Rathaus sprach sich nun letzten Mittwoch mit den üblichen 79 Jasager-Stimmen für ein Stadtrats-„Hearing“ zum Thema „Stolpersteine“ aus. Hintergrund ist, daß auf Betreiben der Grünen und mehrerer Bezirksausschüsse endlich auch in München die zeitgeistschnittigen Stolperfallen verlegt werden und das ohnehin auswuchernde Gedenk-Biotop an der Isar zusätzlich bereichern sollen. Als einzige politische Kraft hält die BIA die „Stolpersteine“ für überflüssig und stimmte gegen die für Herbst angesetzte Anhörung.

Der langjährigen Präsidentin der Münchner Israelitischen Kultusgemeinde, Charlotte Knobloch, werden angesichts dieser Stimmenverteilung im Rathaus die Ohren geklungen haben. Denn ausgerechnet Charlotte Knobloch ist ebenfalls gegen diese fragwürdige Form des Gedenkens. Die gestrige Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ gibt ihre geharnischte Kritik an dem geplanten „Hearing“ wieder. Die „Stolpersteine“ betrachtet Frau Knobloch demnach – völlig zurecht – als „obsessives Kunstprojekt“, die Anhörung gar als „würdeloses Schauspiel, das einige Profilneurotiker mühevoll und unerbittlich erzwungen“ hätten. Treffender hätte es der einzige BIA-Stadtrat im Rathaus auch nicht auf den Punkt bringen können.

Die 79 Jasager-Stadträte von Links bis zur AfD, die sich einmütig gegen Frau Knobloch positioniert haben, werden sich jetzt wohl oder übel den Vorwurf des Antisemitismus gefallen lassen müssen. Und die BIA wird, beflügelt durch den prominenten Zuspruch der Kultusgemeinde-Chefin, künftig erst recht gegen den „Stolpersteine“-Blödsinn mobil machen. Ein Antrag auf Absetzung des „Hearings“ ging heute sogleich im Rathaus ein („Der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Gehör verschaffen – Stadtrats-´Hearing´ absetzen!“, Antrags-Nummer 14-20 / A 00293).